Verkehrssicherheit von Bäumen
 
Grundlagen der Baumdiagnose
Zur Diagnose oder Prüfung der Erhaltungswürdigkeit eines Baumes gehört eine Abschätzung seiner Vitalität und Lebenserwartung, eine Aufnahme und Beurteilung von eventuell sichtbaren Defektsymptomen sowie gegebenenfalls eine Prüfung seiner statischen Sicherheit unter Berücksichtigung seines Umfelds.
 
1 Vitalität und Lebenserwartung
Die Baumvitalität wird zunächst visuell anhand des Kronenbildes und von eventuellen Zuwachserscheinungen im Stamm- und Grobastbereich beurteilt. Über das Längenwachstum der Jahrestriebe ergibt sich auch die Möglichkeit, die aktuelle Vitalität des Baumes zu beurteilen und seine Lebenserwartung abzuschätzen.
 
2 Verkehrssicherheit
Zur Beurteilung der Verkehrssicherheit von Bäumen werden die verschiedenen Baumteile wie Krone, Stamm und Stammfuß auf äußerlich sichtbare Defektsymptome, die auf statische Probleme hindeuten können, systematisch visuell untersucht.
Bestandteile der Verkehrssicherheit eines Baumes sind seine Bruchfestigkeit und seine Standsicherheit. Die Bruchfestigkeit bezieht sich auf die oberirdischen Baumteile wie Äste, Starkäste, Stämmlinge und Stamm, während die Standsicherheit die Verankerungskraft des Wurzelsystems im Boden bedeutet. Statische Defektsymptome sind z. B. Stammrisse, Stammeinwallungen oder V-Zwiesel, die in mehreren Veröffentlichungen verschiedener Autoren beschrieben wurden (Mattheck, Wessolly und Erb). Werden Defektsymptome festgestellt, ist eine weitergehende und gegebenenfalls eine eingehende Untersuchung vorzunehmen. Hierzu stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.
 
Mit Hilfe der statisch integrierten Abschätzung (SIA) nach Wessolly lässt sich die Grundsicherheit eines Baumes abschätzen. Als Grundlage dient eine Lastanalyse, die in einer Modellrechnung das Baumumfeld, die Windverhältnisse, die Baumhöhe, die Kronenbreite und die Kronenform sowie der Stammdurchmesser und die Holzeigenschaften berücksichtigt. Anhand der gemessenen Baumhöhe, Kronenform und Stammdurchmesser wird der für eine einfache Sicherheit (100 %) eines vollen Stammes benötigte Stammdurchmesser (Durchmesserbedarf) berechnet. Durch Vergleich mit dem gemessenen Stammdurchmesser lässt sich die Grundsicherheit und die notwendige Restwandstärke des Stammes für eine einfache Sicherheit (100 %) bei Orkanstärke berechnen. Ergeben sich Grundsicherheiten von weniger als 150 % (üblich angestrebte Sicherheit bei Konstruktionen), werden dementsprechend - im Falle eines Laubbaumes - Kroneneinkürzungen empfohlen, mit dem Ziel, die Grundsicherheit des Baumes auf mindestens 150 % zu erhöhen.
 

Mit Hilfe der Schalltomografie wird der Baum eingehend und verletzungsfrei, d.h. ohne Anbohren, auf innere Stammfäule und ihre Ausdehnung untersucht. Bei dem schalltomografischen Verfahren (Arbotom ©) werden mehrere Sensoren in einer bestimmten Stammhöhe rings um den Stamm gleichmäßig verteilt befestigt. Über die Sensoren werden die Laufzeiten von erzeugten Schallimpulsen erfasst und an einen Rechner weitergeleitet. Mit Hilfe dieses sicheren Verfahrens wird eine zweidimensionale Abbildung des Stammquerschnittes erzielt, wobei vorhandene innere Fäule und Höhlungen dem Zersetzungsgrad entsprechend farbig dargestellt werden. Anhand der Abbildung kann dann die noch tragfähige Restwandstärke des Stammes ermittelt werden.

Tomogramm einer alten Eiche mit Schwefelporlingbefall  

 

Mit Hilfe der Arboradix™-Wurzelortung kann die Lage von Wurzeln verletzungsfrei angezeigt werden. Hierzu werden mechanische Impulse in den Boden eingeleitet und ihre Laufzeit zum Baum gemessen.  Dieses Verfahren wird zur Schadensdiagnose und zur Vorbereitung von Tiefbaumaßnahmen im Wurzelbereich eingesetzt. Die unterschiedlichen Farben stehen für die Übertragungsgeschwindigkeiten des Schalls zwischen Bodenoberfläche und Wurzelanlauf z.B. blau für hohe, gelb für mittelschwache und rot für sehr schwache Übertragung. Die Übertragungsgeschwindigkeit hängt in erster Linie von der Wurzelstärke ab.

                                                

 

Bei massiven Schädigungen und/oder zur gezielten Prüfung der Standsicherheit kann eine eingehende Untersuchung mit Hilfe der Elasto-Inclino-Methode als einzige Methode der Prüfung der Standsicherheit durchgeführt werden. Mit Hilfe dieser Methode werden sowohl die Bruchfestigkeit als auch die Standsicherheit des Baumes unter Orkanbedingungen genau ermittelt. Dies ermöglicht eine sachliche und nachvollziehbare Beurteilung der statischen Baumsicherheit und gegebenenfalls die Empfehlung von gezielten Maßnahmen.

 
nach Wessolly